Uigurische Diaspora: Familie und Zusammenhalt

“Als eine Minderheit das eigene Land zu verlassen ist nicht einfach und gleichzeitig eine Entscheidung fürs Leben. Uigur*innen haben es in unserer Heimat nicht leicht und daher ist es für einige von uns in der Diaspora eine  Pflicht, für unsere Landsleute zu kämpfen. Es bedeutet für mich einerseits, dass ich von meinen Rechten Gebrauch machen kann und dass ich eine freie Person bin. Und andererseits bedeutet es für mich Kummer, getrennt von der Familie und langjährigen Freunden zu leben. Das Kontaktverbot mit der eigenen Familie tut am meisten weh. Man weiß nicht, was morgen mit ihnen geschehen wird und die Ungewissheit bereitet oft schlaflose Nächte.

Doch das gibt uns wieder Kraft, vor allem in einem demokratischen Land wie Deutschland für die Menschenrechte zu kämpfen. Menschenrechte gelten für alle gleich, egal welche Nationalität, Religion oder Herkunft. Daher bin ich stolz zu sagen, dass ich in Deutschland die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die unmenschlichen Situationen lenken kann. Auch wenn wir die großen Medien nicht immer erreichen können, ist der Versuch, einzelne Menschen zu erreichen, auch effektiv.

Diese Absicht verbindet die uigurische Gemeinschaft in Deutschland. Die Mehrheit der Uigur*innen in Deutschland hat noch Familie in der Heimat. Daher begegnet man sich auf Demonstrationen oder in Onlineforen. Man kennt sich untereinander und versucht, sich gegenseitig zu helfen. Das Wissen wird untereinander geteilt, sodass man nicht auf die falsche Bahn geleitet wird.

Da aber die Sprache die größte Herausforderung ist, sind viele bereit, auch bei Terminen zu dolmetschen. So entsteht der Kontakt untereinander. Wir möchten unsere Kultur und Sprache auch den künftigen Generationen weitergeben. Deshalb haben wir in den letzten Jahren immer versucht, Feste zusammen zu feiern, damit die Kinder ihre Herkunft nicht vergessen. Gerade in Deutschland ist vieles möglich, wenn man die Regelungen beachtet. Es gibt viele Möglichkeiten, Hilfe zu bekommen. Klar dauert es wegen der Bürokratie etwas länger und hier und da gibt es noch Benachteiligungen, aber im Allgemeinen kann man sagen, dass es immer eine Lösung für ein Problem gibt. Man kann sich an Hilfezentren wenden oder an Organisationen, die bedrohten Völkern helfen und diese unterstützen.”

 

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Wir haben euer Interesse an uigurischer Kultur geweckt? Ihr fragt euch, wie Uigur*innen in Deutschland und Europa leben? Dann meldet euch an für unsere Veranstaltung in den Internationalen Wochen gegen Rassismus!

Zwischen Ferne und (neuer) Heimat – Uigur*innen in Deutschland und Europa

 

Was?         Vorträge von Dr. Mukaddas Mijit und Ghayur Kurban, anschließende

Diskussionsrunde

Wann?     18.03.2021, 19 – 21 Uhr

Wo?         Online, Anmeldungen bitte an mariella.winter@fka-ka.de