Gambia: Vorbereitet und erfolgreich nach Deutschland

Daniela Willmann arbeitet als Lehrkraft für unsere Erstorientierungskurse im Raum Karlsruhe. Ende 2019 hatte sie die Möglichkeit, für mehrere Monate einen Deutschkurs in Brikama/Gambia zu leiten, konnte Einblicke in die Gegebenheiten vor Ort gewinnen und sich ein Bild des Landes machen, aus dem viele Teilnehmer*innen ihrer EOKs kommen.

“Im Jahr 2019 hatte ich die Möglichkeit, mit einer Kollegin nach Gambia zu fliegen. In Brikama bot der fka im Rahmen des Projekts „Vorbereitet und erfolgreich nach Deutschland“ ein Deutschkurs an, in dem ich unterrichtet habe. Wir wurden von Anfang an sehr herzlich aufgenommen und verbrachten ein paar schöne und lehrreiche Wochen in Gambia.

Das Projekt  ist ein zweigeteiltes Programm, in dem neben Deutschkursen auch eine Beratung angeboten wird, die meine fka-Kollegin Arcangela mit größter Motivation übernahm.

Obwohl wir für den Kurs erst Teilnehmende finden mussten, konnten wir schneller starten als gedacht. Zum einen gab es bisher keine professionellen Deutschkurse in Gambia. Zum anderen gaben Arcangela und ich in der ersten Woche unseres Aufenthalts zwei Fernseh-Interviews, in denen wir das Projekt vorgestellt und dazu aufgerufen haben, sich für die Teilnahme an einem unserer Kurse zu bewerben. Kurz darauf explodierte unser E-Mail-Postfach. Wir erhielten über 300 Bewerbungen, von denen wir nur 10 % annehmen konnten. Schlussendlich wählten wir 30 Personen aus und verteilten sie auf zwei Kurse. Am 23. September konnten dann ein Vormittags- und ein Nachmittagskurs starten.

In den Kursen arbeiteten neben mir noch zwei gambische Lehrkräfte, die normalerweise als Privatlehrer tätig sind. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren vom ersten Tag an sehr motiviert und versuchten das Gelernte in kleinen Gesprächen anzuwenden – sogar in der Pause! Sie interessierten sich sehr für die Sprache und das Leben in Deutschland. Besonders gerne bereiteten sie kurze Dialoge oder Präsentationen mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner vor. In den regelmäßig anberaumten Tests schnitten fast alle Kursbesucher gut ab. Probleme gab es allerdings in puncto Hausaufgaben und Anwesenheit – der Grund hierfür: die meisten der Teilnehmenden müssen nebenher noch arbeiten oder studieren. Zusätzlich einen 20-stündigen Kurs in den Alltag zu integrieren, ist beinahe unmöglich, weshalb uns einige von ihnen wieder verlassen mussten.

Da das Interesse an einem Deutschkurs jedoch nach wie vor groß war, entschied ich mich dazu, den Vormittagskurs auf drei Tage zu reduzieren und an den zwei anderen Tagen neuen Personen die Chance zu geben, einen Kurs zu besuchen. Die Plätze waren schnell vergeben und die Motivation hoch.

Für den letzten Unterrichtstag planten Arcangela, Isatou – unsere Kollegin vor Ort – und ich eine Abschlussfeier mit kleinen Snacks. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahmen wir Abschied von Gambia – wir drei hatten uns zu einem richtig guten Team entwickelt.

Zurück in der Heimat fragte ich mich, wie es für Personen aus Gambia ist, die nach Deutschland kommen und wichtige Feiertage nicht mit ihren Familien verbringen können? Da die große Mehrheit aus Gambia muslimisch ist, begehen die meisten Gambier*innen in Deutschland hauptsächlich islamische Feiertage. Ich habe mit zwei Personen gesprochen und gefragt, was sie an den Feiertagen machen. Sie haben mir gesagt, dass sie die Feiertage mit Freunden verbringen, die sie hier kennengelernt haben und mit ihren Familien und Bekannten in Gambia sprechen.

Zum telefonieren nutzen sie Messengerdienste, was nicht so einfach ist, weil das Internet in Gambia oft ausfällt und es dadurch zu Unterbrechungen in den Gesprächen kommt. Die Teilnehmer*innen aus Gambia erzählen, dass viele sehr religiös sind und zu Hause oder in der Moschee regelmäßig beten. Bei einer Feier darf gutes Essen nicht fehlen. Geflüchtete, die in einer Gemeinschaftsunterkunft leben, treffen sich deshalb an Feiertagen und kochen etwas besonderes. Das kann eines der berühmten gambischen Gerichte, wie Domoda, Benachin oder Supakanja sein oder einfach eine Pasta. Personen, die noch in einer Erstaufnahmeeinrichtung leben, müssen das essen, was sie bekommen, was an manchen Tagen besonders schwierig ist.“

 

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Das Projekt ist mittlerweile abgeschlossen. Aufgrund des hohen Interesses an den Projektinhalten (Deutschkurs und Beratung), den noch bestehenden Verbindungen nach Gambia sowie den Plänen des fka, das derzeit nur in Dakar angesiedelte House of Hope auch im Nachbarland aufzubauen, wird es ab Mitte des Jahres eine vom Verein getragene Neuauflage des Projekts geben: “House of Hope – Legale Migration”. Weitere Infos hierzu finden Sie in Kürze auf unserer Website (https://fka-ka.de).